Warum ich im Urlaub doch nicht so viel gelesen habe

Gut, natürlich war da die Tatsache, dass in der ersten Urlaubswoche meine komplette Schwiegerfamilie um mich herumsprang, inklusive zweier durchaus aktiver kleiner Mädchen. Und das Hindernis, dass ich erst nach fünfzig Seiten verstanden habe, dass ich bei Sartre nicht jedes französische Wort nachschlagen sollte, das ich nicht kenne. Aber mal ehrlich: Was mich wirklich davon abgehalten hat, so viel zu lesen, wie ich vorhatte, war etwas ganz anderes.

Kaum hatten wir nämlich die Ferienwohnung für die zweite Woche bezogen, kippten das Beutekind und ich ein fünfhundertteiliges Puzzle aus. Ich dachte, es wäre nett, daran gemeinsam im Laufe der Woche herumzupuzzeln. Es liegt auf einem Beistelltisch, man schaut ab und zu für ein paar Minuten drauf, legt ein Teil an die richtige Stelle und geht wieder. So ein bisschen wie Schach für Dumme.

Es stellte sich dann aber heraus, dass ich mich von diesem bumshässlichen Darth-Vader-Puzzle kaum noch lösen mochte. Das Ding hat eigentlich nur rote und schwarze Teile, schräg hindurch geht ein Lichtschwert. Ich kann wirklich nicht behaupten, es hätte meine ästhetischen Ansprüche befriedigt. Trotzdem saß ich mit dem Gesichtsausdruck eines  Schimpansen jeden Tag davor. Und dann passierte das, was immer passiert: Ich hatte irgendwelche Fehler gemacht, und es blieben Lücken übrig, in die die verbliebenen Teile nicht passten.

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Rien ne va plus.

Es war ALLES GENAU WIE FRÜHER, und ich sage das nicht ohne Horror. Genau wie als Kind wollte ich an dieser Stelle die nicht ganz passenden Teile nehmen und mit einem gezielten Faustschlag einpassen. Mir fiel wieder ein, dass ich früher ein Puzzle hatte, bei dem einem Teilchen ein Stück fehlte, und im Nachhinein nehme ich an, dieses Stück fehlte, weil es mir nicht in den Kram passte. Ich rief das Kind zu Hilfe, das einen fachmännischen Blick auf die Katastrophe warf und ein großzügiges Loch in den bereits fertigen Bereich riss, auf dass ich alles neu zusammensetzen und es sich dann wundersam zusammenfinden möge. Das habe ich auch getan, und mein Stolz darüber, dass am Ende alles passte, war mir noch peinlicher als mein Entsetzen darüber, dass es zuvor nicht passte.

Puzzles gehen also gemeinsam mit gesalzener Karamellcreme in die Liste der Suchtstoffe ein, von denen ich mich nach diesem Urlaub fernhalten sollte. Dafür habe ich noch ziemlich viel Sartre vor mir. (Ein wehleidiges Buch. Meine Güte.)

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